Burnout-Statistiken in Deutschland 2021

Du bist auf der Suche nach aktuellen Burnout-Statistiken? Dann bist du hier richtig! Hier fassen wir interessante Entwicklungen zum Thema Burnout zusammen – größtenteils basierend auf offiziellen Publikationen deutscher Krankenkassen.

Hinweis:
Viele Reports der Krankenkassen vermelden Zahlen zu psychischen Krankheiten allgemein, nicht immer konkret zum Burnout. Das liegt zum einen an der Zusammenfassung von Leiden zu größeren Gruppen, bei denen „Psychische Krankheiten“ ein großer Block neben beispielsweise Muskel- und Skeletterkrankungen oder Atemwegserkrankungen darstellt. Zum anderen ist Burnout keine eigenständige Krankheit, sondern eine Zusatzdiagnose, die oft in Verbindung mit beispielsweise einer Depression vergeben wird. Depressionen wiederum sind nicht selten Auswirkungen eines Burnouts. Aufgrund der teilweise schwammigen Grenzen sind nicht alle Zahlen eindeutig zuzuordnen, trotzdem zeigen die folgenden Statistiken ein interessantes Bild über die Verbreitung von Burnout in Deutschland.

Du willst alles über Burnout wissen?

Für dieses wichtige Thema haben wir einen umfassenden Überblick mit allen wichtigen Grundlagen-Informationen erstellt:

Allgemeine Statistiken zu psychischen Erkrankungen

Von 2010 bis 2020 nahm die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 56 Prozent zu. Im gleichen Zeitraum lässt sich beim Krankenstand insgesamt kein vergleichbarer Aufwärtstrend beobachten.

DAK Psychoreport 2021

Ein zentrales Ergebnis:

Die Anzahl der Fehltage ist so hoch wie noch nie und die durchschnittliche Dauer eines psychischen Krankheitsfalls hat ein Rekordniveau erreicht.

DAK Psychoreport 2021

Eine Besonderheit psychischer Krankschreibungen ist die hohe Anzahl von Fehltagen. Während ein leichter Atemwegsinfekt in der Regel innerhalb weniger Tage abklingt, fallen Mitarbeiter bei psychischen Leiden oft erheblich länger aus.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) veröffentlicht jährlich einen Fehlzeiten-Report, der aktuell in der Ausgabe von 2021 vorliegt. Zu Fehlzeiten psychischer Erkrankungen wird folgende Aussage getroffen:

Damit ist der Anteil der psychischen Erkrankungen erneut gestiegen (+ 0,1 Prozentpunkte), während der Anteil aller anderen Krankheiten gesunken oder gleichgeblieben ist. Seit 2010 haben die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen um 56 Prozent zugenommen. Außerdem führen diese Erkrankungen nach wie vor zu auffallend langen Ausfallzeiten. Mit 30,3 Tagen je Fall dauerten sie 2020 mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 13,8 Tagen je Fall.

Der Fehlzeiten-Report 2021 für AOK-Mitglieder

Auch der jährliche Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse ist eine gute Quelle, um Informationen zu Fehlzeiten aufgrund psychischer Störungen zu erhalten:

Die meisten Krankheitsfehltage entfielen geschlechterübergreifend im Jahr 2020 wieder auf Erkrankungen mit Diagnosen von psychischen Störungen. Mit 299 AU-Tagen (Anm.: Arbeitsunfähigkeitstage) je 100 Versicherungsjahre konnten dieser Erkrankungsgruppe 19,8 Prozent aller Fehltage zugeordnet werden.

Gesundheitsreport Arbeitsunfähigkeiten 2021 der Techniker Krankenkasse

Bei Fehlzeiten aufgrund von psychischen Störungen hingegen lässt sich vom Jahr 2019 zum Jahr 2020 erneut ein weiterer Anstieg feststellen. Dabei ist dieser Anstieg besonders auf eine Zunahme von Fehlzeiten aufgrund von psychischen Störungen bei Frauen zurückzuführen. Bereits seit dem Jahr 2006 ist ein Trend zur Zunahme der Fehlzeiten unter entsprechenden Diagnosen zu verzeichnen, der nur in den Jahren 2013 und 2016 zeitweilig unterbrochen wurde.

Gesundheitsreport Arbeitsunfähigkeiten 2021 der Techniker Krankenkasse

Und auch die Barmer hat einen Gesundheitsreport zu bieten:

Mit Abstand am längsten dauern Arbeitsunfähigkeitsfälle mit einer Diagnose aus dem Kapitel „Psychische und Verhaltensstörungen“ sowie aus dem Kapitel „Neubildungen“ (Anmerkung: Hierbei handelt es sich häufig um Krebserkrankungen).

Barmer Gesundheitsreport 2021

Dieser Trend ist laut Barmer nicht neu:

Eine relevante Zunahme der Fehlzeiten lässt sich demgegenüber im Hinblick auf gemeldete Arbeitsunfähigkeitszeiten unter der Diagnose von psychischen Störungen feststellen, welche 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 AU-Tage (Arbeitsunfähigkeitstage) je 100 Versicherungsjahre zugenommen haben, wobei die entsprechende Zunahme bei diesem Diagnosekapitel von 2018 auf 2019 mit 16,3 AU-Tagen je 100 Versicherungsjahre noch stärker ausgeprägt war (vgl. Gesundheitsreport 2020).

Barmer Gesundheitsreport 2021

Burnout-Statistiken

Der BKK-Gesundheitsreport wird jährlich veröffentlicht und widmete sich im Jahr 2019 spezifisch dem Thema „Psychische Gesundheit und Arbeit“. Beginnen wir mit einer Einordnung des Burnout-Begriffs:

Obwohl das Burn-out-Syndrom im ICD-10 mit der Zusatzdiagnose Z73 (Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung) kodiert wird und somit nicht originär zu den psychischen Störungen zählt, wird es dieser Krankheitsgruppe im öffentlichen Sprachgebrauch trotzdem häufig zugerechnet.

BKK Gesundheitsreport 2019

Im Report kommt die BKK zu einem für viele überraschenden Schluss:

Wie zu erkennen ist, sind die Werte für die AU-Fälle (Anm.: Arbeitsunfähigkeitsfälle) und auch für die AU-Tage (Anm.: Arbeitsunfähigkeitstage) in den letzten fünf Berichtsjahren nahezu unverändert geblieben. Es zeigt sich, dass dem Thema „Burn-out“ in der Öffentlichkeit eine größere Bedeutung beigemessen wird, als dies die Kennzahlen nahelegen.

BKK Gesundheitsreport 2019

Zu einer anderen Erkenntnis kommt der Fehlzeiten-Report 2021 der AOK:

Zwischen 2011 und 2020 haben sich die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund der Diagnosegruppe Z73 (Anmerkung: Diagnosecode für Burnout) je 1.000 AOK-Mitglieder von 96,9 auf 131,7 Tage um fast 36% erhöht.
Alters- und geschlechtsbereinigt hochgerechnet auf die mehr als 40Mio. gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten bedeutet dies, dass ca. 180.000 Menschen mit insgesamt 4,5Mio. Fehltagen im Jahr 2020 wegen eines Burnouts krankgeschrieben wurden.

AOK Fehlzeiten-Report 2021

Auch die KKH sieht einen deutlichen Anstieg in den Statistiken der Burnout-Diagnosen:

Demnach diagnostizierten Ärzte 2017 bei rund 24.500 Versicherten ein Burnout-Syndrom – ein drastischer Anstieg von rund 115 Prozent gegenüber dem Jahr 2007.

KKH

Statistiken nach Geschlecht

Fallen Frauen wegen Burnout länger aus als Männer? Die Burnout-Statistiken geben eine klare Antwort:

Zwischen den Geschlechtern zeigen sich deutliche Unterschiede: Frauen sind aufgrund eines Burnouts deutlich länger krankgeschrieben. Im Jahr 2020 entfielen auf Frauen 174 Ausfalltage je 1.000 AOK-Mitglieder, auf Männer hingegen nur 97,6 Tage.

AOK Fehlzeiten-Report 2021

Betrachten wir psychische Krankheiten allgemein, finden wir folgende Aussagen:

Bei Frauen wurden mit durchschnittlich 379 AU-Tagen je 100 Versicherungsjahre deutlich mehr Fehltage als unter Männern mit 230 AU-Tagen je 100 Versicherungsjahre erfasst. Bei weiblichen Erwerbspersonen führten 2020 demgegenüber „Psychische Störungen“ zu den meisten gemeldeten Erkrankungstagen.

Gesundheitsreport Arbeitsunfähigkeiten 2021 der Techniker Krankenkasse

Beschäftigte Frauen weisen dabei durchgehend höhere Fehlzeiten als die Männer auf.

BKK Gesundheitsreport 2019

Treten psychische Erkrankungen allgemein und Burnout speziell bei Frauen häufiger auf als bei Männern? Das können diese Statistiken nicht eindeutig belegen. Zwei mögliche Erklärungen liegen in dem höheren Anteil von Frauen in Heil- und Pflegeberufen oder in der Tatsache, dass Frauen sich bei psychischen Beschwerden tendenziell eher an Ärzte wenden als Männer.

Statistiken nach Alter

Der Inbegriff des Burnout-Kandidaten ist der ausgebrannte Top-Manager in mittleren Jahren? Laut Statistik ist das nicht der Fall:

Sowohl Frauen als auch Männer sind am häufigsten zwischen dem 60. und 64. Lebensjahr von einem Burnout betroffen. Weiterhin zeigt sich, dass mit zunehmendem Alter das Risiko einer Krankmeldung infolge eines Burnouts zunimmt.

AOK Fehlzeiten-Report 2021

Statistiken nach Branchen und Berufen

Die ersten Forschungen zum Thema Burnout wurden in Heil- und Pflegeberufen in den 1970iger Jahren durchgeführt. Auch später zeigte sich immer wieder: Berufsgruppen mit vielen sozialen Kontakten sind häufig stärker von einem Burnout betroffen als andere Berufsgruppen. Auch in den aktuellen Statistiken zeigt sich, dass Berufe mit starkem sozialen und/oder emotionalem Einsatz herausstechen:

Bei den Auswertungen nach Tätigkeiten zeigt sich, dass vor allem Angehörige kundenorientierter und erzieherischer Berufe, bei denen ständig eine helfende oder beratende Haltung gegenüber anderen Menschen gefordert ist, von einem Burnout betroffen sind. (…) So führen Berufe in der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik mit 309,7 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1.000 AOK-Mitglieder die Liste an. An zweiter Stelle stehen Berufe in der Haus- und Familienpflege mit 303,0 AU-Tagen. An dritter Stelle folgen die Berufe in der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik mit 295,6 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1.000 AOK-Mitglieder.

AOK Fehlzeiten-Report 2021

Die Branchen, die besonders viele AU-Tage aufgrund psychischer Erkrankungen aufweisen, sind zumeist durch einen hohen Anteil zwischenmenschlicher Interaktion (z.B. Alten- oder Krankenpflege, Sachbearbeiter im Bürgeramt, Busfahrer etc.) geprägt.
Am stärksten von überdurchschnittlichen Fehlzeiten sind v.a. solche Tätigkeitsfelder betroffen, die aufgrund eines hohen Anteils zwischenmenschlicher Interaktionen auch besonders hohen psychosozialen Belastungen ausgesetzt sind. Beispielhaft stehen hierfür die Bereiche Gesundheit, Pflege und Soziales, öffentliche Verwaltung, Verkehr oder auch der Bereich der Sicherheits- und Wachdienste. Weniger stark betroffen sind hingegen produzierende bzw. verarbeitende Branchen bzw. Berufe (z.B. im Baubereich, in der Metallverarbeitung oder der Land- und Forstwirtschaft).

BKK Gesundheitsreport 2019

Obwohl bestimmte Branchen und Berufsgruppen stärker betroffen sind, konstatiert die BKK:

Trotz unterschiedlicher Reihung ist ein gleichmäßiger Anstieg der Fehlzeiten für psychische Störungen in den letzten Jahren in allen Branchen beobachtbar.

BKK Gesundheitsreport 2019

Fazit

Verlässliche Burnout-Statistiken gibt es nicht viele, da ein Burnout nicht als eigenständige Krankheit gilt und viele Burnout-Fälle in anderen Diagnosen wie Depressionen „untergehen“ können. Dennoch zeigen die umfangreichen Statistiken der Krankenkasse deutliche und besorgniserregende Trends, die sich vermutlich nicht so schnell ändern werden:

Eine weitere Zunahme der krankheitsbedingten Fehlzeiten aufgrund psychischer Störungen ist zumindest aus zwei Gründen sehr wahrscheinlich: Zum einen werden die andauernde öffentliche Sensibilität für das Thema sowie eine verbesserte Diagnosestellung voraussichtlich dazu führen, dass immer mehr Betroffene auch als solche erkannt und versorgt werden. Zum anderen wird die zunehmende Verlagerung von Beschäftigung in den Dienstleistungsbereich wahrscheinlich bewirken, dass Fehlzeiten aufgrund psychischer Störungen durch arbeitsweltliche Belastungen zunehmen. Ein strukturiertes und vorausschauendes Betriebliches Gesundheitsmanagement kann solchen Belastungen wirksam entgegenwirken.

BKK Gesundheitsreport 2019

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