Depression oder Burnout: Was sind die Unterschiede?

„Mann … ich bin völlig ausgebrannt!“ oder „Du … ich bin richtig depressiv“: Welche von beiden Aussagen könntest du im Alltag eher hören? Fakt ist: Ausgebrannt sein oder „einen Burnout haben“ ist beinahe eine Modediagnose, die im Trend liegt und das Mindset unserer Leistungsgesellschaft widerspiegelt.
Aber kann es sein, dass hinter dem vermeintlichen Burnout eine Depression steckt – und welche Unterschiede gibt es überhaupt? In diesem Artikel schauen wir genauer hin!

Du willst alles über Burnout wissen?

Für dieses wichtige Thema haben wir einen umfassenden Überblick mit allen wichtigen Grundlagen-Informationen erstellt:

Unterschiede zwischen Depression und Burnout

Depression ist eine Krankheit

Depression ist eine offiziell anerkannte Krankheit, Burnout hingegen nicht. Im international anerkannten Katalog für Diagnosen ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) sind beide Phänomene enthalten – die Depression als Krankheit, der Burnout als Zusatzdiagnose, die oft in Verbindung mit einer Depression gestellt wird.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert eine Depressive Störung wie folgt:

„Depressive Störungen sind gekennzeichnet durch depressive Stimmung (z. B. traurig, reizbar, leer) oder Freudlosigkeit, die von anderen kognitiven, verhaltensbezogenen oder neurovegetativen Symptomen begleitet wird, die die Funktionsfähigkeit der Person erheblich beeinträchtigen.“

ICD

Die WHO hat auch eine Definition von Burnout auf Lager, die sich ausschließlich auf nicht bewältigten Stress am Arbeitsplatz bezieht:

„Burnout ist ein Syndrom als Folge von chronischem, arbeitsplatzbezogenem Stress, der nicht erfolgreich bewältigt wurde.“

Diese und weitere Definitionen findest du mehr Informationen in diesem Artikel.

Unterschiedliche Symptome

Wenn du dir Symptom-Listen von Depression und Burnout anschauen würdest, würden dir jede Menge Gemeinsamkeiten auffallen. Gibt es überhaupt greifbare Unterschiede? Fakt ist: Die Abgrenzung ist nicht ganz einfach, da viele Symptome bei beiden Phänomenen auftreten, oft diffus sind und auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden können.

Eine Unterscheidung hilft jedoch bei der Abgrenzung:

  • Beim Burnout steht ein zentrales Symptom im Mittelpunkt: die körperliche und geistige Erschöpfung.
  • Bei einer Depression sind Kern-Symptome Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Interessenverlust.

Auch diese Abgrenzung ist jedoch nicht eindeutig für alle Betroffene. So können auch Burnout-Patienten niedergeschlagen und freudlos sein – und Depressive körperlich und geistig erschöpft. Auch viele andere Symptome wie Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Reizbarkeit können sowohl bei Depression als auch Burnout auftreten.

Wichtig:
Im Gegensatz zur Depression sind die Symptome von Burnout nirgends eindeutig definiert, und auch Experten haben unterschiedliche Sichtweisen. Hinzu kommt, dass Burnout-Betroffene extrem unterschiedliche Symptome zeigen, die sich oft widersprechen, wie zum Beispiel erhöhter Energieeinsatz vs. Antriebslosigkeit. Solche Unschärfen machen die Abgrenzung zwischen Burnout und Depression besonders schwierig.

Unterschiedliche Diagnose und Therapie-Ansätze

Wenn du beim Arzt bist, wird dieser eine Krankheit anhand deiner Symptome diagnostizieren. Wovon diese Krankheit ausgelöst wurde, spielt für die Diagnose und Therapie keine Rolle. Bei Depression und Burnout kann das anders sein:

Warum ein Burnout entsteht, kann individuell sehr verschieden sein, Ursachen können innere oder äußere Faktoren sein – oft eine Kombination von beiden. Je nachdem, ob die Ursache eher im Arbeitsumfeld oder zum Beispiel in einer problematischen Beziehung gefunden wird, können unterschiedliche Therapie-Ansätze gewählt werden.

Eine Depression hingegen wird immer allein anhand der Symptome diagnostiziert und auch entsprechend behandelt. Auch hier gilt: Die Grenzen sind fließend und beide Phänomene nicht immer exakt voneinander zu trennen.

Ein typisches Beispiel:
Stell dir einen Betroffenen vor, der völlig ausgebrannt, erschöpft und energielos ist. Ist die Ursache allein eine extreme hohe Arbeitsbelastung, kann eine Auszeit mit viel Schlaf, Erholung und Luftveränderung einen enormen Effekt haben. Ist der Betroffene jedoch depressiv, kann vermehrtes Schlafen oder ein Urlaub sogar negative Auswirkungen haben.

Weitere Unterschiede

Wir versuchen uns weiter an einer Abgrenzung und werden nicht müde zu betonen: Auch die folgenden Unterschiede treffen nicht auf alle Betroffenen zu – können aber Anhaltspunkte sein:

  • Ein Burnout entsteht oft schleichend über einen langen Zeitraum. Eine Depression hingegen kann auch ohne Vorankündigung und ohne sichtbaren Grund auftreten.
  • In diesem Zusammenhang können bei der Entstehung von Burnout typische Phasen beobachtet werden, die aufeinander aufbauen. Solche Phasen gibt es bei einer Depression in dieser Form meist nicht.
  • Ein Burnout wird oft in Kombination mit einer Depression diagnostiziert. Doch die Besonderheiten von Burnout treffen nicht auf jeden Menschen mit einer Depression zu.

Gemeinsamkeiten von Depression und Burnout

Du hast sicher gemerkt: Eine genaue Abgrenzung zwischen Depression und Burnout fällt schwer, weil beide Phänomene eine Reihe von Gemeinsamkeiten haben. Diese Gemeinsamkeiten beziehen sich hauptsächlich auf die auftretenden Symptome.

Wie oben erwähnt, sind Freudlosigkeit, Interessenverlust und Antriebslosigkeit Kernsymptome einer Depression. Wer unter einem Burnout leidet, wird diese in fortgeschrittenem Stadium ebenfalls spüren.

Auch körperliche Symptome ähneln sich oft stark: Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen sind typisch für beide Phänomene. Betrachten wir das Verhalten von Betroffenen, sehen wir auch da ähnliche Anzeichen: Selbstzweifel, sozialer Rückzug oder Reizbarkeit lassen sich häufig beobachten.

Wenn sich Depression und Burnout so stark ähneln: Sind sie vielleicht doch das gleiche?

Depression als Folge eines Burnouts

Trotz der vielen Gemeinsamkeiten: Unter Experten scheint sich eine Meinung herauszubilden, dass es sich um unterschiedliche Phänomene handelt, die jedoch einen deutlichen Zusammenhang haben: Je weiter ein Betroffener im Burnout-Prozess fortgeschritten ist, desto größer die Gefahr, an einer Depression zu erkranken. Die Depression wird also als Folge eines Burnouts betrachtet.

Besonders betroffen sind diejenigen Burnout-Kandidaten, die Ursachen ihres Zustands bei sich selbst suchen:

Sieht der Ausbrennende die Ursachen seiner Probleme in erster Linie bei sich selbst, so wird er überwiegend depressiv reagieren. Das Gefühl der Hilflosigkeit ( … ) führt, als persönliches Versagen interpretiert, zu einer Erniedrigung des Selbstwertgefühls.

Matthias Burisch 1)Das Burnout-Syndrom: Theorie der inneren Erschöpfung – Zahlreiche Fallbeispiele – Hilfen zur Selbsthilfe

Da Burnout offiziell keine Krankheit ist, kann kein Betroffener wegen eines Burnouts krankgeschrieben werden – wohl aber aufgrund einer depressiven Phase oder einer Erschöpfungsdepression als Folge eines Burnouts.

Ist Burnout nur ein Modebegriff?

Handelt es sich also immer um eine Depression, die den trendigen Decknamen „Burnout“ bekommen hat? Ja und nein:

  • Einige Betroffene können sich in einer frühen Phase des Burnout-Prozesses befinden, in denen sie starke Erschöpfung und Überforderung spüren. Eindeutige Symptome einer Depression treten hingegen noch nicht auf. Eine Auszeit in Verbindung mit präventiven Maßnahmen gegen einen drohenden Burnout kann Wunder wirken.
  • Andere Patienten leiden hingegen an einer „echten“ Depression als Folge eines Burnouts. In diesen Fällen sind bewährte Therapien angesagt.

Sind Betroffene über längere Zeit arbeitsunfähig, so wird häufig eine Depression diagnostiziert, die allerdings gesellschaftlich oft stigmatisiert wird. Oder was würdest du lieber sagen: „Ich bin seit einem halben Jahr depressiv und deshalb krankgeschrieben“ oder „Ich habe übrigens seit einem halben Jahr einen Burnout“? Ein Burnout passt ins Bild unserer Leistungsgesellschaft, während eine Depression oft nach wie vor als Schwäche und Versagen gewertet wird.

Fazit

Die Grenzen zwischen Burnout und Depression sind oft fließend, besonders wenn du die Symptome betrachtest. Burnout ist keine eigenständige Krankheit, sondern wird oft als Vorstufe oder Risikofaktor einer Depression gesehen. Anders ausgedrückt: Werden die Warnzeichen eines Burnouts ignoriert oder nicht ernst genommen, kann daraus eine Depression entstehen.

Solltest du dir unsicher sein, was deine Symptome bedeuten: Scheu dich nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Dieser Schritt ist immer ein Zeichen von Stärke: Du beweist dir und anderen, dass du dich nicht unterkriegen lässt und dein Leben selbst in die Hand nimmst. Du interessierst dich für eine Bestandsaufnahme? Dann mach den kostenlosen Burnout-Test!

Quellen[+]

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