Burnout-Definition

Burnout-Definition: Was ist ein Burnout?

Gibt es eine einheitliche Burnout-Definition und wie fällt diese aus? In diesem Artikel schauen wir genauer hin!

Was ist Burnout?

Das Wort Burnout kommt aus dem Englischen von „to burn out“ und bedeutet „ausbrennen“ oder „ausgebrannt sein“. Gleich vorab: Der Begriff ist nicht haarscharf definiert, stellt keine medizinische Diagnose dar und wird teilweise inflationär verwendet („Mann … ich bin echt völlig ausgebrannt“).

In diesem Artikel steigen wir trotzdem tiefer in das Thema ein – vielleicht gibt es ja doch eine klare Definition?

Du willst alles über Burnout wissen?

Für dieses wichtige Thema haben wir einen umfassenden Überblick mit allen wichtigen Grundlagen-Informationen erstellt:

Die Ursprünge des Burnout-Begriffs

Das alte Testament, Shakespeare und Goethe: Vielen Quellen wird zugeschrieben, über Erschöpfung und Burnout geschrieben zu haben. Die erste Erwähnung des Begriffs in unserer heutigen Interpretation stammt jedoch von Herbert Freudenberger aus dem Jahr 1974: „Staff Burn-Out“.

Er nutzte den Begriff, um die Folgen von starkem Stress und hohen Idealen in Pflegeberufen zu beschreiben, wie zum Beispiel bei Ärzten und anderem Pflegepersonal. Warum diese Berufsgruppe? Weil sich Personen in diesen Bereichen häufig für andere aufopfern und schließlich lustlos, erschöpft und überfordert sind.

Heute wird der Begriff nicht nur für Menschen in Heil- und Pflegeberufen verwendet, sondern übergreifend: Von überlasteten Sportlern über ambitionierte Karrierefrauen bis hin zu Prominenten, die ständig im Rampenlicht stehen.

Beinahe erstaunlich: Selbst Experten sind sich nicht immer einig, was Burnout eigentlich ist. Zu unterschiedlich sind die Definitionen, um genau sagen zu können, wer davon betroffen ist – und damit auch, wie verbreitet Burnout überhaupt ist.

Schauen wir also genauer hin: Gibt es eine eindeutige Burnout-Definition?

Definition von Burnout der WHO nach ICD

Was liegt näher, als zunächst in einem international anerkannten Katalog zur Klassifizierung von Krankheiten und Diagnosen nachzuschauen? Genau so ein Katalog ist die ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), nach dem Ärzte in Deutschland und vielen anderen Ländern ihre Diagnosen verschlüsseln.

Die ICD 11 gilt ab 2022 und beschreibt Burnout wie folgt:

„Burnout ist ein Syndrom als Folge von chronischem, arbeitsplatzbezogenem Stress, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Er wird durch drei Dimensionen charakterisiert:

  1. Gefühle von Energieverlust oder Erschöpfung
  2. Erhöhte mentale Distanz zum Beruf oder berufsbezogene Gefühle von Negativismus oder Zynismus
  3. Reduzierte berufliche Leistungsfähigkeit

Burnout bezieht sich spezifisch auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen herangezogen werden.“

Du siehst: Die WHO beschreibt Burnout als ein Phänomen mit einem klaren Bezug zum beruflichen Umfeld. Das wird oft kritisch gesehen – aber dazu später mehr.

Weitere Definitionen von Burnout

Du ahnst es vielleicht schon: Es bleibt nicht bei einer Burnout-Definition. Beginnen wir mit der größten Online-Enzyklopädie Wikipedia. Das ist zwar kein Fachbuch, bedient sich aber seriöser Quellen und fasst den Burnout-Begriff anschaulich zusammen:

Burn-out oder Burnout (auch Burnout-Syndrom, von englisch burn out, „ausbrennen“) ist ein Oberbegriff für bestimmte Arten von persönlichen Krisen, die als Reaktion auf andauernden Stress und Überlastung am Arbeitsplatz auftreten.

In den Niederlanden wird übrigens der ICD-Rahmen nicht verwendet und stattdessen ein eigener Katalog zur Kategorisierung von Krankheiten eingesetzt. Demnach ist Burnout wie folgt definiert:

„Wir sprechen von Burnout, wenn alle drei unten stehenden Kriterien erfüllt sind.
A Es handelt sich um Fehlbelastung.
B Die Beschwerden dauern seit mehr als sechs Monaten an.
C Gefühle von Müdigkeit und Erschöpfung stehen deutlich im Vordergrund.“

Weitere Definitionen gefällig? Die gibt es: In einer Zusammenstellung von Marion Rook 1)Rook M. Theorie und Empirie in der Burnout-Forschung: Eine wissenschaftstheoretische und
inhaltliche Standortbestimmung. 1998.
wurden in der Literatur nicht weniger als 16 unterschiedliche Definitionen gefunden, unter anderem diese:

Ausbrennen bedeutet: leer werden. Die eigenen körperlichen und seelischen Reserven erschöpfen. Sich selbst bei dem Versuch zerstören, unter Aufbietung aller Kräfte unrealistische Erwartungen zu verwirklichen, die selbstgesetzt oder im Wertesystem der Gesellschaft aufgezwungen sind.

Eine unserer Meinung nach schöne allgemeine Definition von Burnout ist die folgende. Burnout ist demnach

„ein Zustand physischer, emotionaler und mentaler Erschöpfung aufgrund langanhaltender Einbindung in emotional belastende Situationen2)Ayala Pines & Elliot Aronson, 1988

Die im Burnout-Bereich bekannten Forscher Schaufeli und Enzmann 3)Schaufeli, W.B., & Enzmann, D. (1998). The burnout companion to study and practice: A critical analysis. veröffentlichten schließlich eine weitere übergreifende Definition, die von vielen Experten als treffend angesehen wird:

„Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand »normaler« Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann von dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung (Anm.: Nichtübereinstimmung) von Intentionen und Berufsrealität. Burnout hält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht“.

Hättest du Lust, in weiteren Fachbüchern zu stöbern, würdest du unter anderem auf diese Definition der Psychologie-Professorin Christina Maslach stoßen, die maßgeblich die Burnout-Forschung beeinflusst hat. Demnach ist Burnout:

„… eine Erosion der Werte, der Würde, des Geistes und des Willens – eine Erosion der menschlichen Seele. Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer ist.“

Die letzte Definition hat es in sich, oder? Wenn du nun alle Definition vergleichst, stellst du sicher fest, wie unterschiedlich sie ausfallen – von stressbedingten Auswirkungen am Arbeitsplatz bis hin zu einer „Erosion der menschlichen Seele“. Warum ist es so schwierig, den Begriff „Burnout“ eindeutig zu definieren?

Warum ist eine Definition von Burnout so schwierig?

Die Definition ist deshalb nicht einfach, weil das Phänomen „Burnout“ ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist. Einen zu hohen Blutdruck zu messen, ist leicht – aber Burnout? Wie kann etwas klar gemessen werden, von dem nicht sicher ist, welche genauen Symptome und Grenzwerte es gibt?

Folgende Faktoren machen die Definition so schwierig:

  • Symptome: Es gibt eine riesige Anzahl von geistigen und körperlichen Symptomen, die sich häufig mit anderen Diagnosen überlappen. Welche Symptome genau einen Burnout kennzeichnen, ist nicht klar definiert.
  • Schweregrad: Vorübergehende Erschöpfung oder völlig vor die Wand gefahren? Wann genau ein Burnout vorliegt, kann nicht klar gesagt werden.
  • Messinstrumente: So unterschiedliche Symptome und Schweregrad sind, so verschieden sind entsprechend auch die Messinstrumente. Verschiedene Fragebögen, Interview-Schemata bis hin zur Messung von körperlichen Parametern wie Cortisol-Spiegel oder Herzratenvariabilität – es gibt nicht das Diagnose-Instrument, um Burnout festzustellen.

Ein letzter Faktor liegt in einer wichtigen Frage: Ist die Ursache von Burnout wirklich nur im Arbeitsleben zu sehen?

Kritik zu den Burnout-Definitionen

Für einige Experten fällt die Definition der WHO zu einseitig aus: Warum sollte ein Mensch ausschließlich Burnout-Symptome basierend auf einer hohen Belastung am Arbeitsplatz haben? Was ist mit komplett erschöpften Personen, die schwere Krankheitsfälle in der Familie haben, Angehörige pflegen und zusätzlich hohe Ansprüche an sich selbst haben?

Immerhin: Die Definition der WHO und in der ICD hilft Ärzten und Therapeuten dabei, eine Zusatzdiagnose zu stellen (zum Beispiel Depression aufgrund eines Burnouts) und damit bessere Statistiken zu erhalten – Klarheit für den Burnout-Begriff allgemein wird allerdings kaum geschaffen. In diesem Interview geht Dr. Dr. Nagel näher darauf ein, warum die ICD-Definition unzureichend ist.

Im Interview wird von Burnout oft von einer Krankheit gesprochen – aber ist das überhaupt korrekt?

Ist Burnout eine Krankheit?

Die ICD 11 bestätigt schon wie die ICD 10 zuvor: Burnout ist keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Zustand einer längeren Überbelastung und ein „Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigen kann“. Dieser Zustand sollte allerdings nicht unterschätzt werden. Unbehandelt kann er zu schwerwiegenden psychischen oder körperlichen Krankheiten führen, wie zum Beispiel Depression, Panikattacken, Bluthochdruck – bis hin zum kompletten Zusammenbruch auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene.

Wichtig: Viele vermeintliche Symptome von Burnout können auf ernsthafte andere Erkrankungen hinweisen. Aus diesem Grund ist eine medizinische Abklärung immer wichtig, bevor ein Erschöpfungszustand „nur“ einem Burnout zugeschrieben wird.

Auch die Aussage „Burnout ist keine Krankheit“ muss mit Augenmaß eingesetzt werden. In einer ohnehin schon gehetzten Leistungsgesellschaft können typische Symptome schnell kleingeredet werden: „Stell dich nicht so an, Burnout ist schließlich keine Krankheit“.

Fazit

Es ist und bleibt schwammig! Es gibt keine allgemein gültige Burnout-Definition. Die am weitesten verbreitete Definition ist die der ICD 11, nach der Burnout als Folge von Stress am Arbeitsplatz beschreibt, der nicht erfolgreich bewältigt werden kann. Burnout gilt damit nicht als eigenständige Krankheit – ist allerdings sehr wohl ein Risikofaktor für schwerwiegende Erkrankungen.

In vielen Definitionen finden sich folgende Kernelemente:

  • Körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung
  • Entfremdung
  • Arbeitsbelastung
  • Unerfüllte Bedürfnisse und Erwartungen
  • Desillusionierung
  • Fehlgeschlagene Arbeitsanpassung

In unserer Arbeit für die Prävention von Burnout spielen Definitionen eine untergeordnete Rolle. Egal, ob Burnout als Krankheit anerkannt ist oder nicht: Viele unserer Kunden leiden teilweise massiv unter emotionalen, mentalen oder körperlichen Symptomenauch ohne offizielle Diagnose. Wir setzen da an, wo das Ruder noch herumgerissen werden kann und bevor Menschen in ernsthafte Erkrankungen abrutschen.

Du willst dein Stressmanagement nicht dem Zufall überlassen? Du willst aktiv handeln und das Ruder herumreißen? Dann vereinbare gerne einen kostenfreien Anti-Stress-Call mit uns. Dort können wir uns genau ansehen, wo du gerade stehst, und was die nächsten konkreten Schritte für dein erfolgreiches Stressmanagement sind.

Quellen[+]

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